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70 Jahre CDU-Fraktion Mülheim an der Ruhr

Klicken Sie auf das Bild, um den Flyer als PDF zu laden.

 

Ergebnis der Kommunalwahl am 13.10.1946 in Mülheim an der Ruhr:

Wahlbet.: 78,73 % (71.504 Wähler/-innen)
CDU: 39,1 % (22 Mandate)
SPD: 37,2 % (14)
FDP: 12,8 % (2)
KPD: 10,1 % (1)
Unabh.: 0,8 % (-)
11.20 Nr-5a
Konstituierende Ratssitzung am 04. November 1946 in der Aula des Staatlichen Gymnasiums an der Von-Bock-Straße unter der Leitung von OB Wilhelm Diederichs (2. v. re./stehend)

(Quelle: Stadtarchiv Mülheim an der Ruhr)

„Frauen und Männer der ersten Stunde":
CDU-Stadtverordnete in der 1. Ratsperiode 1946 -1948

11.20 Nr-7a

Konstituierende Sitzung des Mülheimer Rates am 04. November 1946:

Rechter Tisch CDU-Fraktion mit den Stadtverordneten: Doetsch, Maßhoff, Rühl, Liewendahl, Frau Rodenbüsch, Lenzen, Stump, Schotten, Feldkamp, Schikorra, Pieper, Heimann, Jansen, Becker, Fischer, von der Brüggen, Frau Riebartsch, Bachmann, Glenewinkel, Kölges.
Am Tisch vor Kopf: OB Diederichs, Robertson, Korte
(Quelle: Stadtarchiv Mülheim an der Ruhr)


Max Koelgesweb2 

Hier kann die erste Rede des CDU-Fraktionsvorsitzenden Max Kölges bei der konstituierenden Sitzung des Rates der Stadt am 04. November 1946 heruntergeladen werden.

Von Herrn Thomas Emons wurde uns dankenswerterweise dieser Artikel aus der Ausgabe der Neuen Ruhr Zeitung vom  05. Januar 2013 zur Veröffentlichung zur Verfügung gestellt:

Rückblick: Was uns der Handwerksmeister und Kommunalpolitiker Max Kölges auch 40 Jahre nach seinem Tod noch zu sagen hat

Dass heute neben einer Straße in der Stadtmitte auch eine Handwerkerschule in Eppinghofen seinen Namen trägt, hätte Max Kölges sicher gefallen. Denn die berufliche Nachwuchsförderung lag dem Kreishandwerksmeister und Bürgermeister Max Kölges immer am Herzen. Vor 40 Jahren - am 5. Januar 1973 - starb der neunfache Familienvater, den seine Wahlheimat 1962 zum Ehrenbürger ernannte.

Damals schrieb die NRZ in einem Nachruf auf den Christdemokraten, der sich nicht nur um den Wiederaufbau nach dem Krieg verdient gemacht hatte: „Dem Wohl des Volkes, der Stadt und den Mülheimer Bürgern zu dienen, das war das Ziel des Mannes, der über sechs Jahrzehnte im Dienst des öffentlichen Lebens stand. Angesichts seines hohen Alters, seinem Erfolg im Beruf, in öffentlichen Ämtern und Aufgaben, kann bei ihm wahrhaft von einem erfüllten Leben gesprochen werden.“

Was auch heute noch in der Rückschau auf seine 92 Lebensjahre beeindrucken und ermutigen kann, ist sein Wille und sein Geschick, auch aus den schwierigsten Lebenslagen das Beste zu machen.

1880 als Kaufmannssohn im Kreis Kempen geboren, musste Kölges schon früh den Tod seines Vaters verkraften. Die Mutter war alleinerziehend und ihr Sohn konnte wie die meisten seiner Altersgenossen in der Klassengesellschaft des Kaiserreiches nur die Volksschule besuchen. Doch Kölges, der 1899 nach Mülheim kam, sollte nach seinen Lehr- und Gesellenjahren als selbstständiger Friseurmeister erfahren, das Handwerk goldenen Boden haben kann.

Doch der Handwerksmeister und Familienvater, der nach dem Tod seiner ersten Frau Theresa Boomes (1913) mit Hulda Richter eine zweite Liebe fürs Leben fand, wollte mehr als nur geschäftlichen Erfolg erreichen. Ab 1904 engagierte er sich im Mülheimer Innungsausschuss, dem Vorläufer der heutigen Kreishandwerkerschaft. Als Kreishandwerksmeister und Obermeister der Friseurinnung setzte er zahlreiche sozialpolitische Akzente.

Neben seinem Beruf engagierte sich Kölges ehrenamtlich für die Interessen seiner Kollegen. Er leitete eine Krankenkasse für selbstständige Handwerksmeister, baute eine Einkaufsgenossenschaft für Friseure auf und initiierte die Einrichtung eines Erholungsheimes für Handwerker sowie den Bau des Innungshauses an der Zunftmeisterstraße.

Politisch gehörte der Katholik Kölges ab 1907 zur Zentrumspartei. Für sie zog er während der Weimarer Republik in den Stadtrat und in den preußischen Landtag ein. Dort machte er sich einen Namen als Finanzpolitiker. Doch nach der Machtübernahme durch die Nazis 1933 verlor Kölges nicht nur seine politische, sondern auch seine berufliche Existenz und musste zwischenzeitlich als Grundstücksmakler arbeiten.

Doch nach 1945 gelang dem Friseurmeister Kölges als Kreishandwerksmeister, als Stadtrat und Landtagsabgeordneter sowie als Bürgermeister und Vizepräsident der Handwerkskammer ein erstaunliches Comeback in Beruf und Politik, ehe er sich 1969 aus dem öffentlichen Leben zurückzog. Kurz vor seinem Tod wohnte er noch dem Richtfest des City-Centers bei.


1. Bachmann, Georg
geb. 04.01.1891; gest. 13.11.1948;
Schriftsteller;
1946 - 1948 Stadtverordneter

2. Becker, Hermann
geb. 25.02.1893; gest. 13.05.1960;
Landwirt;
1946 - 1952 Stadtverordneter

3. Börger, Wilhelm
geb. 17.05.1907, gest. 02.01.1996;
Kaufm. Angestellter;
1946 - 1948 Stadtverordneter

4. Brüggen, Heinrich von der
geb. 13.10.1878; gest. 03.03.1972;
Werkmeister;
1946 - 1948 Stadtverordneter

5. Diederichs, Wilhelm
geb. 28.04.1896; gest. 08.04.1974;
Kaufmann;
1945 - 1964 Stadtverordneter

6. Doetsch, Johannes
geb. 26.02.1888; gest. 13.08.1960;
Verleger und Chefredakteur;
1946 - 1948 Stadtverordneter

7. Feldkamp, Werner
geb. 07.02.1921; gest. 11.08.2010;
Handlungsgehilfe
1946 - 1948 Stadtverordneter

8. Fischer, Friedrich
geb. 16.10.1886 in Kamen/Westf.;
gest. 23.07.1966
Oberingenieur; 1946 - 1956 Stadtverordneter
1948 - 1956 CDU-Fraktionsvorsitzender

Langj. Vorsitzender der CDU-Menden/Holthausen

9. Glenewinkel, Werner
geb. 16.10.1917; gest. 05.04.1996;
Textilkaufmann;
1946 - 1948 Stadtverordneter

10. Heimann, Gerhard
geb. 24.09.1898; gest. 08.02.1989;
Kalkulator;
1946 - 1948 Stadtverordneter

11. Jansen, Georg
geb. 28.08.1921; gest. 02.07.1984;
Maschinenschlosser;
1946 - 1948 und 1952 - 1968 Stadtverordneter
Langj. Vorsitzender der CDA Mülheim an der Ruhr
1968 ff. CDU-Kreisgeschäftsführer in Bottrop
Stellv. Vorsitzender des Kirchenvorstandes der Kath.
Kirchengemeinde Mülheim

12. Kölges, Max
geb. 29.10.1880 in Dülken/Kr. Kempen;
gest. 05.01.1973 in Mülheim an der Ruhr;
Friseurmeister; Kreishandwerksmeister;

1921 - 1933 Mitglied des Preuß. Landtages (Zentrum)
1945 - 1947 Mitglied des Provinzialrates Nordrhein bzw. des
Landtages NRW (ernannt)
1919 - 1933 und
1945 - 1952 Stadtverordneter
1946 - 1948 CDU-Fraktionsvorsitzender
1948 - 1952 Bürgermeister
1962 ff. Ehrenbürger der Stadt Mülheim an der Ruhr

1905 - 1931 Obermeister der Friseur-Innung
1945 - 1969 Kreishandswerksmeister
1954 - 1966 Vizepräsident der Handwerkskammer
Düsseldorf

Langj. Vorstandsvorsitzender des Landesverbandes
Innungskrankenkassen
Nordrhein und Rheinland-Pfalz, Mitglied des
Bundesvorstandes

13. Lenzen, Josef
geb. 11.01.1919; gest. 30.01.1977;
Betriebsangestellter;
1946 - 1948 Stadtverordneter

14. Liewendahl, Alfred
geb. 24.09.1880; gest. 05.11.1951;
Werkmeister;
1946 - 1948 Stadtverordneter

15. Maßhoff, Wilhelm
geb. 20.07.1898; gest. 01.09.1992;
Schlosser;
1946 - 1948 Stadtverordneter

16. Pieper, Johannes
geb. 23.05.1872; gest. 27.05.1958;
CVJM-Sekretär;
1946 - 1948 Stadtverordneter

17. Riebartsch, Maria
geb. 01.05.1889; gest. 17.05.1967;
Hausfrau;
1929 - 1933 Stadtverordnete (Zentrum)
1946 - 1948 Stadtverordnete

18. Rodenbüsch, Anna-Maria
geb. 24.11.1901; gest. 12.11.1958;
Werksfürsorgerin;
1946 - 1952 Stadtverordnete

19. Rühl, Otto sen.
geb. 04.04.1885; gest. 09.04.1961;
Lederfabrikant;
1946 - 1952 Stadtverordneter

20. Schikorra, Hubert
geb. 27.06.1902; gest. 22.03.1958;
Vorschlosser;
1946 - 1948 Stadtverordneter

21. Schotten, Wilhelm
geb. 11.08.1886; gest. 17.04.1952;
Geschäftsführer;
1929 - 1933 Stadtverordneter (Zentrum)
1946 - 1948 Stadtverordneter

22. Stump, Albert
geb. 22.12.1892; gest. 22.08.1971;
Werkmeister

1946 - 1952 Stadtverordneter

DiederichsWilhelm Diederichs
________________________________________

 

I. Oberbürgermeister Wilhelm Diederichs
geb. 28. April 1896 in Mülheim an der Ruhr
gest. 8. April 1974 in Mülheim an der Ruhr
Kaufmann, kath.

1945 - 1964 Stadtverordneter
1946 - 1948 Oberbürgermeister
1952 - 1956 Bürgermeister

bis 1933 Kreisvorsitzender des Zentrums
1945 - 1960 CDU-Kreisparteivorsitzender
1960 ff. CDU-Ehrenkreisvorsitzender

Langj. Mitglied in der Vollversammlung der Industrie- und Handelskammer, des Kirchenvorstandes St. Marien und des Kuratoriums Kath. Krankenhaus

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Im Rahmen einer „Einweihungsfeier" am 29. Februar 2008 enthüllte Bezirksvorsteher Arnold Fessen (Bezirksvertretung Rechtsruhr-Süd), auf dem Foto 2. von rechts, im Beisein zahlreicher neuer Anwohner das Straßenschild der „Wilhelm-Diederichs-Straße" im Neubaugebiet in Mülheim-Nord, zwischen Kreuz- und Kuhlenstraße. Er erinnerte in einer kurzen Ansprache an die Persönlichkeit und „Mitgestalter des Wiederaufbaus", des ersten gewählten Nachkriegs-Oberbürgermeisters Wilhelm Diederichs (CDU). Diederichs war von Mai 1946 bis Oktober 1948 Stadtoberhaupt Mülheims, bis 1964 CDU-Stadtverordneter, bis zur Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 Kreisparteivorsitzender der Zentrumspartei und nach 1945 CDU-Kreisvorsitzender.

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Franz MatuszczykMülheimer Stadtverordneter und Journalist 1952-1975

Heute kann man es sich gar nicht mehr vorstellen. Doch Franz Matuszczykwar über mehr als zwei Jahrzehnte als CDU-Stadtverordneter und als Redaktionsleiter der Ruhrnachrichten Teil der Mülheimer Kommunalpolitik. „Ich habe meine Arbeit in der Redaktion und im Rat immer sorgfältig voneinander getrennt. Auch wenn ich politisch nicht einer Meinung mit ihnen war, hatte ich auch zu einigen Mülheimer Sozialdemokraten gute und zum Teil sogar freundschaftliche Beziehungen. Auf der anderen Seite bekam ich bei CDU-Versammlungen auch schon mal zu hören, dass ich in unserer Zeitung zu oft über den sozialdemokratischen Oberbürgermeister Heinrich Thöne berichten würde. Oder die journalistische Konkurrenz argwöhnte, dass ich aufgrund meiner Ratsmitgliedschaft einen Informationsvorteil hätte, was aber in der Praxis gar nicht der Fall war“, erinnert sich Matuszczyk an seine Zeit als Kommunalpolitiker und Journalist in Mülheim.

Am 22. November 1926 im westfälischen Hamm geboren, gehört Matuszczyk zur sogenannten Luftwaffenhelfer-Generation, die nach dem Reichsarbeitsdienst im letzten Kriegsjahr 1944/45 noch als Soldat einrücken musste. Er hatte Glück, überlebte das Kriegsende und schlug sich im Sommer 1945 als Landarbeiter durch. Da das Elternhaus in Hamm ausgebombt und der Vater 1943 im Krieg gefallen war, fand er mit Schwester und Mutter Zuflucht in Soest, wo er 1946 das Abitur machte.

 

„Weil ich Geld verdienen musste und meiner Mutter nicht auf der Tasche liegen wollte“, entschied sich Matuszczyk nach dem Abitur gegen ein Geschichts- und Germanistik-Studium und für ein Redaktionsvolontariat bei der Westfalenpost. Schon nach seinem ersten Volontariatsjahr erhielt er 1948 bei der Westfalenpost eine Anstellung als Redakteur und arbeitete als Lokaljournalist zunächst in Meschede, Neheim-Hüsten, Lünen und dann in Dortmund.

 

Als sich die Westfalenpost 1949 aus Dortmund zurückzog, wechselte Matuszczyk zu den damals vom Verleger Lambert Lensing neugegründeten Ruhrnachrichten. Die Zeitung wurde noch von der britischen Militärregierung lizensiert und profilierte sich als CDU-nahe Tageszeitung. Nach einem kurzen Intermezzo in Essen und Oberhausen baute der damals erst 23-jährige Journalist ab Mai 1950 die Mülheimer Lokalredaktion derRuhrnachrichten auf, die damals zunächst als Mülheimer Tageblatt erschienen. „In der Anfangszeit hatten wir täglich nur eineinhalb Lokalseiten und erschienen aufgrund des akuten Papiermangels nur dreimal pro Woche“, erinnert sich Matuszczyk an den Beginn seiner lokaljournalistischen Tätigkeit in Mülheim. Zunächst war er alleiniger Redakteur und wurde lediglich von einem Pauschalisten, einem Volontär und einigen freien Mitarbeitern unterstützt. Zu seinen ersten Redaktionsvolontären in Mülheim gehörte unter anderem Rudolf Strauch, der später unter anderem Vorsitzender der Bundespressekonferenz und Chefredakteur der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung werden sollte.

 

„In meinen ersten Mülheimer Jahren lebte ich als möblierter Herr in Speldorf. Erst nach meiner Hochzeit 1954 zog ich mit meiner Frau Doris in die Stadtmitte, wo wir zuletzt im Von-der-Linden-Haus an der Leineweberstraße wohnten. Politisch behielt ich meine Heimat aber bei der CDU in Speldorf“, berichtet Matuszczyk.

 

Der Westfale Matuszczyk kam mit „den gesprächigen Mülheimern, bei denen man schon einen leichten rheinischen Einschlag spürte, schnell ins Gespräch.“ Die Überschaubarkeit der Stadt, das Ruhrtal, der Kirchenhügel, der Wasserbahnhof mit der Weißen Flotte „und eine attraktive Innenstadt, die damals viele Menschen aus den Nachbarstädten anzog“, ließen ihn in Mülheim schnell heimisch werden. Und er merkte schnell, „dass die Identifikation der Bürger mit ihrer Stadt hier sehr ausgeprägt war.“

 

Dass der junge Journalist 1951 in die Mülheimer CDU eintrat und schon ein Jahr später als damals jüngster Stadtverordneter in den Rat der Stadt einzog, hatte mit dem damaligen CDU-Vorsitzenden und Alt-Oberbürgermeister Wilhelm Diederichs zu tun. „Er war mein politischer Lehrer und hat mich in die Partei geholt. Diederichs war Mülheimer durch und durch. Er kannte die Stadt in- und auswendig. Außerdem beeindruckte er mich mit seinem ausgewogenen politischen Urteil und mit seiner großen Gelassenheit“, erzählt Matuszczyk. Auch an andere Christdemokraten seiner Zeit hat er gute Erinnerungen: „Max Vehar war ein glänzender Redner. Hermann Schmidtke ein fleißiger und kontaktfreudiger Bürgermeister, der Menschen ansprechen und mobilisieren konnte. Und Helga Wex habe ich als eine großartige Persönlichkeit mit politischem Weitblick in Erinnerung“, betont Matuszczyk. Für ihn selbst war die CDU die Partei seiner Wahl, „weil mich ihre programmatische Mischung aus christlichen und freiheitlichen Gedanken anzog.“

 

Sein politischer Schwerpunkt im Rat lag in der Kulturpolitik. Während seiner gesamten Zeit im Rat, die 1972 mit der Verleihung des Ehrenringes der Stadt gewürdigt werden sollte, gehörte er dem Kulturausschuss an. Schon während seiner ersten Wahlperiode war Matuszczyk stellvertretender Vorsitzender dieses Ausschusses, den er in seiner letzten Wahlperiode (1970 bis 1974) als Vorsitzender führen sollte.

 

Darüber hinaus arbeitete der Vorsitzende der Speldorfer CDU als Ratsherr im Finanz- und Schulausschuss mit. Gerne erinnert sich der damals auch im Kunst- und Geschichtsverein sowie im Speldorfer Bürgerverein aktive Matuszczyk an die Glanzlichter seiner journalistischen und politischen Arbeit in Mülheim, die Wiedereröffnung der Stadthalle durch den ersten Bundespräsidenten Theodor Heuss (1957), die in den 60er Jahren realisierte Schaffung eines Gewerbegebietes im Speldorfer Hafen, die ihn bis heute mit Hochachtung an den damaligen Oberstadtdirektor Heinz Heiderhoff zurückdenken lässt. Er selbst begleitete als Kommunal- und Kulturpolitiker zum Beispiel die Bemühungen, um den finanzpolitisch vertretbaren Neubau einer Stadtbücherei am Rathausmarkt, die Einrichtung eines neuen Museums in der alten Stadtbücherei an der Leineweberstraße, den Umbau des Van-Grinten-Hauses auf dem Dudel für die Jugendmusikschule oder die Planungen für den Neubau einer Volkshochschule an der Bergstraße.

 

„Ich habe mich damals dafür eingesetzt, in der neuen Volkshochschule einen Saal mit einer Theaterbühne für experimentelles Theater einzurichten, die über die Stadtgrenzen hinaus ins gesamte Ruhrgebiet ausstrahlen sollte. Diese Idee ist dann später vom damaligen Kulturdezernenten Helmut Meyer in ganz anderer Form realisiert worden, in dem er Roberto Ciulli die Möglichkeit eröffnete, im ehemaligen Kurhaus am Raffelberg das Theater an der Ruhr zu gründen“, berichtet Matuszczyk.

 

Besonders am Herzen lag ihm auch das Thema Denkmalschutz, Als Vorsitzender des Kulturausschusses setzte er sich in den frühen 70er Jahren mit Nachdruck für den Denkmalschutz ein und sorgte für die Aufstellung der ersten Mülheimer Bau-Denkmal-Liste. „Was sollen wir mit dem alten Zeug? Weg damit!“ beschreibt er die in den späten 60er und frühen 70er Jahren ausgeprägte Tendenz, Altbauten abzureißen und im Sinne von Stadtverdichtung Neubauten, wie etwa die Hochhäuser am Hans-Böckler-Platz zu errichten. Mit Schrecken erinnert er sich daran, dass es in den 60er Jahren ernsthafte Überlegungen gab, das Schloss Broich und auch die alten Kapitänshäuser auf dem Dudel abzureißen und letztere durch moderne Hochbauten zu ersetzen. Auch im Fall der Heißener Bergmannssiedlung Mausegatt-Kreftenscheer mussten Matuszczyk und seine Mitstreiter, die er unter anderem beim Landschaftsverband Rheinland fand, die Einsicht politisch durchsetzen, diese historische Bausubstanz nicht zu vernachlässigen und damit ihrem Niedergang preiszugeben, sondern langfristig zu erhalten.

 

Nicht erhalten konnte Franz Matuszczyk die Mülheimer Medienvielfalt, zu der bis 1976 auch die Ruhrnachrichten gehörten. „Wir hatten zuletzt eine Auflage von rund 5000 Exemplaren und waren die kleinste Zeitung am Ort“, erinnert sich der Journalist. Schon lange vor dem Internet war das Pressesterben und die Pressekonzentration in der Mitte der 70er Jahre ein Thema. Zwei Jahre, bevor die von ihm geleitete Lokalredaktion geschlossen wurde, wechselte Matuszczyk 1974 als Leiter des städtischen Presseamtes nach Münster, wo er bis heute lebt, und nach seiner Pensionierung im Jahr 1993 immer wieder als freier Journalist tätig gewesen ist.

 

Gerne erinnert sich Matuszczyk daran, dass er in der letzten Phase seiner kommunalpolitischen Arbeit im Speldorfer CDU-Ortsverband „einen jungen Polizeibeamten, der mir immer wieder aufgefallen war, zur Kandidatur für den Rat der Stadt ermutigen konnte.“ Der Mann hieß Hans-Georg Specht und sollte 20 Jahre später Mülheimer Oberbürgermeister werden.

 

Als sich Franz Matuszycyk am 28. November 1974 mit einem „Mölm boowenaan“ aus dem Rat der Stadt verabschiedete und sein Mandat an den Parteifreund Willi van der Felden abgab, sagte er: „Die Arbeit im Rat sollte nie an Einzelnen gemessen werden. Es sollte immer die Gemeinschaft gelten, deren Ziel Mülheim heißt. Ich bin dankbar, dass ich für diese Stadt arbeiten durfte. Und ich bin ein wenig stolz, wenn ich sehe, wie sich diese Stadt heute darstellt.“

 

Seine Leistung als Kommunalpolitiker würdigte der damalige Oberbürgermeister Dieter aus dem Siepen von der SPD unter anderem mit der Feststellung: „Der Kulturausschuss verliert in Ihnen einen Kommunalpolitiker, der in den 22 Jahren seines Wirkens, über die Parteigrenzen hinweg stets das Gemeinwesen gesehen und jederzeit seine Bereitschaft zur Zusammenarbeit unter Beweis gestellt hat. Wir alle schätzen Sie sehr und haben stets gerne mit Ihnen zusammengearbeitet.“

 

 

 

 

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